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PRESSESPIEGEL: 09/2000



Pressespiegel

(xx.09.2000) Region Trier: Streichung von Interregio-Verbindungen
 

"Die Bahn steht in der Pflicht"
Lob im Landtag für Protestaktion des Trierischen Volksfreunds gegen geplanten Interregio-Kahlschlag

Von unserem Redakteur JOACHIM WINKLER

MAINZ. Der Landtag war sich ausnahmsweise einig: Die Region Trier darf nicht vom Fernverkehr
der Bahn abgekoppelt werden. Lob gab es für die erfolgreiche Protestaktion des TV.

Im Parlament wurden Bahn und Bund vor allem nachdrücklich an den Grundgesetzauftrag, die Regionen
an den Fernverkehr anzubinden, und die vertraglichen Zusicherungen für die Moselstrecke im Rahmen der
bald fertig gestellten Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt erinnert. Aus diesen Verpflichtungen wollte keine
Fraktion den Staatskonzern entlassen.

Eine Streichung der Interregio-Züge nach Trier werde von der Landesregierung nicht akzeptiert, betonte
Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP). Ohne Frage hat nach seinen Worten die Aktion des
Trierischen Volksfreunds als Bürgerbewegung mit geholfen, die Bahn zum Abrücken von den
Streichplänen zumindest bis 2003 zu bewegen.

Ein Joker war laut Bauckhage aber auch das rheinland-pfälzische Gutachten zu den umstrittenen
Quersubventierungen mit Regionalisierungsmitteln innerhalb der Bahn. Mit den Bundesgeldern werden von
den Ländern die Regionalverkehre bezahlt. Allerdings fließen offensichtlich auch hohe Summe
unzulässigerweise indirekt in die Kassen anderer Konzernbereiche.

Nicht gerade erbaut sind die Rheinland-Pfälzer auch darüber, dass das Saarland den Kampf um die
Interregio-Anbindung über Trier nicht aufgenommen und wohl Einverständnis zum Einsatz von Regionalzügen
auf der Saarstrecke signalisiert hat. Durch die Verhandlungen mit Bahn-Chef Mehdorn wurde laut
Bauckhage nicht nur erreicht, dass die Interregio-Züge bis 2003 uneingeschränkt fahren. Der vereinbarte
Einsatz von Neigetechnikzügen von Luxemburg über Trier, Koblenz und Mainz nach Frankfurt bezeichnet er
als qualitativen Sprung erster Güte.

Um ein Fernverkehrskonzept ab dem Jahr 2003 zu erarbeiten, hat die Bahn auch den geforderten Einblick
in die Fahrgastzahlen der Interregios zugesichert. Zwar begrüßte die Opposition den vorläufigen Rückzieher der
Bahn. Gleichzeitig verwiesen sie jedoch ebenso wie der SPD-Abgeordnete Josef Peter Mertes (Schweich) auf
die offenen Fragen zur Finanzierung der Züge nach 2003 und der Zukunft der Verbindungen von Trier nach
Saarbrücken und nach Köln. Eine Angebotsoffensive statt einer Reduzierung ist nach Auffassung der CDU
notwendig, um die Bahn wirtschaftlicher fahren zu lassen. Es könne nicht sein, dass Mehdorn unliebsame
Linien abschiebe und andere den Zahlmeister machen lasse, wetterte Dieter Schmitt (Fisch). Harte Kritik auch
an Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt, der es mit dem grundgesetzlichen Auftrag der Bahn offenbar nicht
so genau nehme.

Im umsteige- und zuschlagfreien Fernverkehr hat sich der Interregio nach Meinung der Grünen als Erfolgszug
mit hoher Kundenzufriedenheit gezeigt. Warum die Bahn gerade dort ihren Kahlschlag ansetzt, ist für sie
nicht nachvollziehbar. Reduzierte Trassenpreise und nur den halben Mehrwertsteuersatz für Fahrkarten des
Fernverkehrs, forderte die Abgeordnete Elke Kiltz.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 
 

BAHN

Geschafft! Wir werden nicht abgehängt
Proteststurm zwingt Bahnchef Mehdorn zum Einlenken – Interregio bis 2003 gesichert – Danach ohne Umsteigen nach Frankfurt

MAINZ. (win/mic/hw) Die TV -Leser haben Bahnchef Mehdorn die rote Karte gezeigt
– mit Erfolg. Der Bahnchef gibt in einem ersten Punkt nach: Die Interregio-Anbindung
nach Trier bleibt erhalten. Die Bahn hat ihre Streichpläne zumindest vorerst zurückgestellt.

Bis zum Fahrplanjahr 2003 bleibe die Moselregion uneingeschränkt an das Netz angebunden, sagte
Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) am Montag nach einem Gespräch mit Bahn-Chef Hartmut
Mehdorn zum TV . Bis dahin wollen Land und Bahn gemeinsam mit Hochdruck ein alternatives Konzept mit
Neigetechnik erarbeiten, das eine Direktverbindung von Luxemburg über Trier, Koblenz und Mainz nach
Frankfurt vorsieht – ohne umzusteigen. An dem Konzept soll sich auch Luxemburg beteiligen. "Wir
haben Zeit für die Diskussion und eine neue, außerordentlich attraktive Verbindung gewonnen",
stellte Bauckhage nach dem "konstruktiven und harten Gespräch" zufrieden fest. Für den Einsatz der
Neigetechnik muss in die Moselstrecke erheblich investiert werden. Welche Züge mit welcher Frequenz
eingesetzt werden, ist noch unklar. Im Gespräch ist unter anderem der spanische Talgo. Sollte es 2003 mit
der Neustrukturierung des Fahrplans durch die Schnellbahnstrecke Köln-Frankfurt dennoch zu
Einschnitten bei den Interregio-Verbindungen kommen, muss der Verkehr laut Bauckhage anders organisiert
werden, ohne die Fahrtzeiten zu verlängern.

Nach seiner Überzeugung steht Bahn-Chef Mehdorn bei den fälligen Umstrukturierungsplänen "mit dem Rücken
an der Wand". Da über die Verteilung der Bahn-Regionalisierungsmittel des Bundes ohnehin neu
mit den Ländern verhandelt wird, müsste dann ein Zuschlag fällig werden, um möglicherweise
Expresszüge einzusetzen, so der Wirtschaftsminister. Mit einem Einblick in die Fahrgastzahlen der Bahn will
er sich auch eine Übersicht über die Kostendeckung verschaffen. Mehdorn wollte sich zum Gespräch mit
Bauckhage nicht äußern.

Die Politiker in der Region Trier nahmen die Ankündigung der Bahn mit gemischten Gefühlen auf.
Richard Groß, Trier-Saarburger Landrat und Vorsitzender des Zweckverbands
Schienenpersonennahverkehr Nord, sprach von einem "Teilerfolg" und einem "ersten Schritt der Erleichterung".
Positiv sei, dass die Verbindung Luxemburg-Trier-Koblenz-Mainz-Frankfurt nun offenbar
mit stärkerem Druck realisiert werden soll.

Er jubiliere nicht, denn es blieben viele Fragen offen. Entscheidend für die Finanzierung sei etwa, ob es sich
bei dieser Linie um Fern- oder Nahverkehr handele. Auch sei nicht geklärt, ob von 2003 an die derzeit noch
bestehende Anbindung nach Norden in die Ballungsgebiete an Rhein und Ruhr erhalten bleibe.
Außerdem sei offen, ob die Fernverkehrsanbindung der Region nach Süden weiter wie bisher über Saarbrücken
laufe.

Auch der Trierer Oberbürgermeister Helmut Schröer wertet die Ankündigung der Bahn AG als Teilerfolg.
"Offensichtlich haben die Argumente gegen eine alternativlose Streichung der Fernverbindungen
überzeugt", sagte Schröer.

Luxemburgs Wirtschaftsminister Henri Grethen kündigte Kooperationsbereitschaft an. "Wir werden natürlich uns
an einem Konzept beteiligen, doch die Kompetenz eines luxemburgischen Ministers hört in Wasserbillig
auf." Derweil hatten die Printmedien des Großherzogtums – allen voran das Luxemburger Wort –
erklärt, die Protestaktion des TV zu unterstützen. Dank der jüngsten Unterschriften-Aktion der Initiative Region
Trier (IRT), die am Wochenende 900 Unterschriften sammelte, ist die Zahl der Protestler auf über 42 000
gestiegen.

Die Bahn will unterdessen als Folge der Dieselverteuerung die Preise erhöhen. Im Nahverkehr
werde eine Anpassung "wohl unvermeidlich sein", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Berlin. Die
Bahn sei in die Tarifgestaltung des Verbundverkehrs eingebunden.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 

BAHNPROTEST

Konzept darf keine 08/15-Lösung sein
Wenn an der Zukunft des Schienenfernverkehrs gedacht wird, hat die Region klare Vorstellungen

TRIER. (hw/dil) Die Region Trier wird sich bei der Schienenanbindung nicht mit einer
08/15-Lösung abspeisen lassen. Das Konzept, das ab 2003 greifen soll, muss Trier vernünftig
an das Fernverkehrsnetz anbinden, sind sich die Verantwortlichen einig.

Professor Heiner Monheim von der Universität Trier hat reichlich Ideen für die Zukunft: "Nahverkehr und
Fernverkehr hängen eng zusammen. Dort wo es intelligenten Lösungen für den Nahverkehr gibt, ist die
Resonanz auf den Fernverkehr auch gut. Dieser Zusammenhang gilt aber umgekehrt." Entsprechend
gelte es natürlich, den Nahverkehr im Raum Trier noch mehr zu stärken.

In Wasserbillig kann nicht Endstation sein

Monheim hat bezüglich des Fernverkehrs konkrete Vorstellungen. Die Idee, die Anbindung nach
Luxemburg zu stärken, hält der Raumplaner für angemessen – wenn auch nicht neu. "In mehreren
älteren Gutachten wird dies gefordert. Dabei ist wichtig, dass für die Verbindung nicht in Wasserbillig Schluss
ist." Die deutschen Züge müssten bis Luxemburg und die aus dem Großherzogtum bis Trier fahren. Kein
großes Hindernis sieht Monheim dagegen im Zustand der Strecke zwischen Luxemburg und Trier. "Das ist ein
Problem, dass sich lösen lässt." Doch der Anschluss an die Hauptstadt des Großherzogtums ist für Monheim
nur eine Facette in einem vernünftigen Konzept. Ebenso fordert er die Anbindung in den Rhein-Ruhr-Raum nach
Köln. Es könne nicht sein, dass die Eifelstrecke ersatzlos gestrichen werde. Ebenso sei die Trasse an
der Obermosel entlang nach Metz eine interessante Variante. Dies würde Trier mit Frankreich und dem
entsprechenden TGV-Netz verbinden. Die TGV-Option würde auch die Verbindung nach Saarbrücken einlösen.
Doch darüber hinaus besteht vom Saarland aus auch der Anschluss zum ICE nach Mannheim. Monheim
resümiert: "Mit diesen Verbindungen hätten wir beim Schienenfernverkehr tatsächlich ein ähnliches Angebot
wie in den 50-er Jahren."

Wer an einem Zukunftskonzept bastelt, muss natürlich die Belange vor Ort klären. Trier-Saarburgs Landrat,
Richard Groß, hat als Vorsitzender des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehrs Nord klare
Vorstellungen. Das Konzept dürfe sich nicht nur auf die erwähnte Anbindung Luxemburg-Trier-Koblenz-Frankfurt
beziehen. "Wir brauchen umsteigefreie Lösungen in den Rhein-Ruhr-Raum und nach Süden. Es ist doch klar,
dass ich als Landrat die Saarstrecke nicht einfach abschreiben will." Der Verkehrsexperte der Industrie-
und Handelskammer, Geschäftsführer Marcus Kleefisch, kann sich auch vorstellen, per Nahverkehr
Trier anzuschließen: "Aber diese Züge müssten so schnell sein wie der Interregio, im Stunden-Takt
verkehren, und das wichtigste wäre, Anschlusszüge müssten warten." Dies sind auch Aspekte, die für den
Vorsitzenden der Initiative Region Trier, Harry Thiele, und den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer
Trier, Hans-Hermann Kocks, wichtig sind. IRT-Chef Thiele: "Die Anschlüsse müssen gewährleistet sein,
sonst nutzt das beste Modell nichts."

Unterdessen hat der luxemburgische Verkehrsminister Henri Grethen die Notwendigkeit von Verbesserungen
an der Bahnstrecke zwischen Luxemburg und Trier betont. Das Großherzogtum habe in diesem
Zusammenhang seine Hausaufgaben gemacht, sagte Grethen beim einem Besuch in Trier. Die Anzahl der
Verbindungen alleine sage noch nichts aus, es komme auch auf die Qualität an. Die mögliche Beteiligung
Luxemburgs an den Kosten des Zugmaterials könne "durchaus ein Thema werden", sagte Grethen. "Aber die
besten Züge nützen nichts, wenn die Strecke nicht verbessert wird", fügte der Minister unter Anspielung auf
die Moselbrücke bei Konz hinzu. Dort können Züge nicht schneller als 25 Stundenkilometer fahren.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 

JOURNALISTEN-FRÜHSCHOPPEN

Medien-Pakt gegen Bahn-Pläne
Medien in Saar-Lor-Lux: Internationale Runde auf der Suche nach gemeinsamen Zukunfts-Perspektiven

Von unserem Redakteur FRIEDHELM KNOPP

TRIER. "Die Medien in Raum Saar-Lor-Lux" – namhafte Journalisten
diskutierten am Tag der offenen Tür über die Frage, wie die Medien zum Zusammenwachsen
einer Großregion im Zentrum Europas beitragen können.

Der neue Standort des Trierischen Volksfreunds in Trier-Zewen – nur fünf Autominuten von der Grenze zu
Luxemburg entfernt – bietet sich für diesen internationalen Journalisten- Frühschoppen geradezu
an. Als Gäste auf der Festzeltbühne begrüßt Moderator Dieter Lintz den Chefredakteur des Luxemburger Worts,
Léon Zeches, Alfred Schön, Chef der politischen Nachrichten bei der Saarbrücker Zeitung, Nic Dicken
von der Wirtschaftsredaktion des Luxemburger Journals, Thomas Vatheuer, Programmleiter vom
RPR-Studio Trier, Helmut Wyrwich, Saal-Lor-Lux-Korrespondent des Trierischen
Volksfreunds , Gerald Keßler, Leiter des SWR-Studios Trier und den Gastgeber Walter W. Weber,
Chefredakteur des Trierischen Volksfreunds .

Sieben Journalisten und sieben unterschiedliche Meinungen? Oder überwiegen die gemeinsamen
Standpunkte, wenn es um die Zukunft dieser Großregion geht? Die Antwort lautet "ja" und "nein"
zugleich. Dass das Grenzdenken aus den Köpfen verschwinden muss, darüber herrscht absoluter
Konsens. Und dass in den vergangenen 20 Jahren hoffnungsvolle Schritte in die richtige Richtung getan
wurden, auch darüber ist sich die Journalistenrunde einig. Doch unterschiedlich wird die Wahl der richtigen
Mittel beurteilt. Auch die noch bestehenden Grenzen werden aufgezeigt. So verweist Rundfunkmann Keßler
vom SWR auf die Unmöglichkeit, ein gesamtregionales Programm zu machen, denn "unsere Sendefrequenzen
enden an der Staatsgrenze".

Wo gemeinsam die Hebel ansetzen?

Sollten sich dann nicht die Zeitungen mehr engagieren, etwa durch verstärkte Berichterstattung über die
Nachbarn?, wirft Moderator Lintz ein. Im Prinzip sei das richtig, kontert Nic Dickens vom Luxemburger Journal,
aber eine Zeitung müsse sich zunächst einmal an den Interessen ihrer Leserschaft orientieren.

Wo also wäre der große gemeinsamer Ansatzpunkt für die Medien, wenn sie die Sache von Saar-Lor-Lux
vorantreiben wollen? Volksfreund -Chefredakteur Walter W. Weber fordert von den Medien mehr aktives
regionales Engagement und nennt einen journalistischen Kardinalfehler der Vergangenheit: "Das
Thema ,Saar-Lor-Lux‘ wurde zu lange den Politikern alleine überlassen. Zu lange haben die Medien nur
deren Aussagen wiedergegeben." Beifall vom Publikum im gut besetzten Festzelt, als Weber ein aktuelles
Beispiel nennt: Die Bahn, ihre Sparpläne und Verkehrsminister Klimmt in Berlin.

Das Stichwort "Bahn" – in Trier längst ein Reizwort – ist gefallen. Der Funke zu den Zuhörern ist spürbar
übergesprungen. Weber: "Sollen wir zusehen, wie eine ganze Region abgehängt wird? Hier müssen wir
nachhaken. Wir Journalisten müssen wachsam sein. Wir müssen massiv einschreiten in der Zukunft."

Webers Angebot an seine Kollegen, die Volksfreund -Aktion gegen die Sparpläne der Deutschen Bahn zu
unterstützen, hat Zündwirkung. Chefredakteur Zeches vom Luxemburger Wort regt spontan eine konzertierte
Aktion gegen die Pläne der Bahn an.

Die Journalisten aus dem Nachbarland sagen es in aller Deutlichkeit: Mehdorns Streich-Orgie werde auch
Luxemburg hart treffen. Zeches: "Lasst uns noch heute einen Pakt schließen – hier auf dieser Bühne."

Und Zeches weiß aus 33-jähriger Journalisten-Erfahrung: "Wenn sich alle Medien in einer
Sache zusammenschließen, obwohl die sonst nicht nur für gutes Miteinander bekannt sind, dann führt das zu
einem psychologischen Effekt beim Bürger. Er hat dann sofort das Gefühl, das diese Sache ,bitter ernst‘ ist."

Journalistisches Engagement gegen den Rückzug der Bahn: ein gemeinsamer Ansatzpunkt, um die Dinge in
Saar-Lor-Lux im wahren Sinne des Wortes wieder "ins Rollen" zu bringen.

Doch auch aus positiv besetzten Themen ließen sich Brücken über die Grenzen schlagen. Beispielsweise
aus KLASSE!, dem medienpädagogischen Projekt des Volksfreunds , an dem in diesem Jahr über 5000
Schülerinnen und Schüler aus der Region Trier und erstmals auch aus dem deutschsprachigen Ostbelgien
teilnehmen.

KLASSE! bald auch in Luxemburg

Chefredakteur Weber unter Beifall: "Warum sollte KLASSE! nicht im nächsten Jahr in Luxemburg laufen?
Und warum nicht 2002 in Lothringen?"

"Werden wir es noch erleben, dass die Menschen in Saar-Lor-Lux ihr Bewusstsein für die Region über ihr
nationales Bewusstsein stellen? Nicht alle Teilnehmer der Runde wollen diese Schlussfrage des Moderators
mit einem eindeutigen Ja beantworten – erst müssten noch viele Hindernisse beiseite geräumt werden. Eine
Aufgabe für die Medien in Saar-Lor-Lux – doch die Hebel sind längst angesetzt.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 

PROTEST-AKTION

Rote Karten machen den Bahnchef mürbe
Mehdorn stellt lange gewünschte Verbindung Luxemburgs ins Rhein-Main-Gebiet in Aussicht –
Doch es bleiben offene Fragen zur Nord-Süd-Anbindung der Region

TRIER. (win/mic/hw/mai/ik) Bahnchef Mehdorn zieht seine Streichpläne zurück. Diese Nachricht
sorgte gestern bei den verantwortlichen Politikern in der Region für überschwängliche Freude, aber
auch nachdenkliche Skepsis.

Während über das Fax in der TV -Redaktion Unterschriftenlisten einlaufen und die Zahl der
protestierenden Leser auf über 45 000 ansteigt, während die Luxemburger Zeitungen ankündigen, sich
der TV -Aktion anzuschließen, diskutieren in Mainz Bahnchef Mehdorn und der rheinland-pfälzische
Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage über die Bahnpläne. Noch Stunden nach dem Gespräch feilt das
Verkehrsministerium an der Presseerklärung. Jedes Wort will überlegt und mit der Bahn genau abgestimmt
sein. So liest sich denn auch das Ergebnis – ein Erfolg, der nur vorsichtig verkauft wird. "Trier wird nicht
abgehängt", die Bahn bleibt bis zum Fahrplanjahr 2003, das im Herbst 2002 beginnt, an das Interregio-Netz
angebunden.

Ein Aufschub statt der zuvor verkündeten rigorosen Streichorgie, ein Rückzug Mehdorns von der harten
Linie, Zeit, für die Politiker der Region, über die Anbindung Triers ernsthafte Verhandlungen zu führen.
"Das zeigt, dass es keine Entscheidung gibt, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann", kommentiert
der Dauner Landrat Heinz Onnertz. Der Druck auf die Politik hat etwas bewirkt, die roten Karten des TV für
den Bahnchef zeigen offenbar Wirkung. "Das ist absolut Klasse. Es zeigt, was diese Initiative des Trierischen
Volksfreunds bewirken kann. Wenn die Institutionen zusammenstehen, kann man ungeheuer viel erreichen",
lobt Walter Born, Geschäftsführer der Initiative Region Trier.

Luxemburg offen für Kooperation

Von Luxemburg soll ein Neigetechnikzug nach Frankfurt führen, die beiden Bankenzentren verbinden und den
angeschlossenen Städten Trier und Mainz zugleich auch eine schnelle Anbindung an den Frankfurter
Flughafen geben. Eine Route, die unter dem Schlagwort Talgo-Verbindung von Politikern der Region schon seit
Jahren diskutiert und gefordert wurde.

So schließt sich Henri Grethen, Luxemburgs Wirtschaftsminister, dem positiven Urteil zu
Bauckhages Nachricht an. "Das ist ganz hervorragend, dass die Streichung zurückgenommen wurde." Bei der
Erarbeitung eines neuen Konzeptes kündigt der Minister Kooperationsbereitschaft an. "Aber die
Kompetenz eines luxemburgischen Wirtschaftsministers endet eben in Wasserbillig", sagt
Grethen dem Trierischen Volksfreund .

Während für die West-Ost-Achse Luxemburg-Frankfurt damit eine rasche Verbindung gesichert scheint, lässt
die Erklärung aus dem Verkehrsministerium im Hinblick auf die weiteren Anbindungen viele Details offen, die
auch auf Nachfrage nicht geklärt werden. Wie die Bahnpassagiere ab 2003 in den Norden oder den Süden
der Republik gelangen sollen, kann oder will im Verkehrsministerium derzeit niemand sagen. So
mahnen die Politiker der Region nach ersten Freudenbekundungen denn auch, das von Bauckhage
angekündigte Konzept müsse zukunftswirksam umgesetzt werden. Harry Thiele, Vorsitzender der
Initiative Region Trier (IRT): "Das ist ein toller Erfolg; aber doch erst ein Teilerfolg."

Man müsse nun darauf achten, dass Bauckhages große Pläne "für uns keine Mogelpackung" werden.
"Ein Schritt in die richtige Richtung", meint die Bernkastel-Wittlicher Landrätin Beate Läsch-Weber.
"Doch für eine endgültige Bewertung muss ich das neue Konzept von Anfang bis Ende kennen."

Landrat Richard Groß, Vorsitzender des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr
Rheinland-Pfalz Nord, will "skeptisch abwarten" und hätte "gern ein bißchen mehr gewusst." "Soll ab 2003
die Fernverkehrsanbindung der Region nach Süden über Frankfurt laufen oder wie bisher – und ohne
Umsteigen – über Saarbrücken?", fragt Groß etwa, und: "Was bedeutet das für die Fernverkehrsanbindung der
Saarstrecke?" Auch die Finanzierung der Strecke Luxemburg-Frankfurt sei ungeklärt, sagte der
Trier-Saarburger Landrat.

Viele offene Fragen also, die Anlass für Politiker wie Medien geben, die Interessen der Region in Sachen
Bahnanbindung weiterhin aufmerksam im Auge zu behalten.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 

BAHN

"Alles versuchen"
Bauckhage trifft Mehdorn – Klimmt sucht Lösung

TRIER/WEHR. (AF) In die Diskussion um die Streichung von Interregio-Zügen auf
der Strecke Koblenz-Trier-Saarbrücken kommt Bewegung: Heute trifft sich der
rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Bauckhage mit Bahnchef Mehdorn.

Derweil kündigte Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) für die Verkehrsminister-Konferenz am
27./28. September in Frankfurt eine Entscheidung an: "Wir wollen eine Lösung finden, die für alle Seiten
akzeptabel ist", sagte Klimmt nach einer Gesprächsrunde zur Interregio-Problematik in
Palzem-Wehr (Kreis Trier-Saarburg).

"Wir werden natürlich alles versuchen, damit die Interregio-Verbindungen so bleiben wie bisher", sagte
Bauckhage am Sonntag dem Radiosender RPR. Das Land Rheinland-Pfalz sei ein großer Besteller bei der
Bahn. Bauckhage kündigte an, dass er Mehdorn auffordern werde, die wirtschaftliche Situation der
einzelnen Interregio-Strecken offen zu legen. Außerdem will der Minister auf eine Vereinbarung zwischen dem
Bund und den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen von 1990 hinweisen. Demnach sei eine
Interregio-Verbindung zwischen Luxemburg, Trier und Koblenz fest vereinbart. Nach den bisherigen
Vorstellungen wollte die Bahn von Mai 2001 an beziehungsweise ein Jahre später die
Interregio-Verbindungen streichen.

Die TV -Aktion gegen die Streichpläne der Bahn unterstützen bereits mehr als 40 000 Menschen.

Quelle: Trierischer Volksfreund, September 2000 (Internet).
 

BAHN

"Wir sind sowieso schlecht angebunden"
Widerstand gegen Streichung der Interregios – TV vor Ort am Bahnhof in Wengerohr

WITTLICH-WENGEROHR. (an/mai) Auch in Wittlich protestieren die Bahnfahrer gegen die Pläne der Bahn.
Einige brachten unterschriebene rote Karten zur Rollenden Redaktion, andere machten ihrem Ärger Luft.

"Ich habe noch nicht mal ein Auto, ich bin auf die Bahn angewiesen." Mit dem Fahrrad kam die 70-jährige Erika Schilz aus
Wengerohr zum Bahnhof im gleichen Stadtteil, um ihren Unmut rauszulassen. "Meine Kinder wohnen verstreut in Deutschland.
Wenn die Interregios gestrichen werden, dann ist die Gefahr, dass ich Züge beim Umsteigen verpasse noch größer. Außerdem muss
ich dann häufiger umsteigen. Jetzt gibt es noch einen Interregio, mit dem ich direkt von Trier nach Stuttgart fahren kann."

Vor dem Umsteigen graust es auch dem 73-jährigen Heinz Ott aus Wengerohr: "Ich bin öfters nach Bremen und Oberhausen
unterwegs, da kann ich durchfahren. Von einer Fahrt nach Nürnberg, weiß ich, wie schwierig das Umsteigen ist. Und man wird ja älter
und nimmt öfters die Bahn statt das Auto." Und noch etwas ärgert ihn: "Da kauft man sich die Bahncard und dann sowas."

Maria Bastgen (66) aus Bausendorf fährt viel mit der Bahn. Bei den gebühren in den Städten findet sie es billiger, das Auto stehen
zu lassen. "Wir sind hier sowieso schon so schlecht angebunden mit allem, da dürfen nicht noch Züge und gerade Fernverbindungen
gestrichen werden. Saarbrücken, Köln und Luxemburg sind für uns Hauptzentren."

Auch Fritz Helbing (70) aus Wittlich ärgert es, wenn er zum Beispiel für das Fußballspiel in Saarbrücken demnächst umsteigen muss.
Außerdem gibt er zu bedenken: "Da investiert die Stadt viel Geld am Bahnhof für einen Parkplatz. Wieso macht sie das, wenn Züge dann
auch noch gestrichen werden?"

Josef Baller, Ortsvorsteher in Wengerohr sieht die Diskussion kritisch. Angesichts einiger leerer Züge, die durch Wengerohr
rattern, meint er: "Auch die Bahn unterliegt marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Grundsätzlich bin ich dafür, dass die Interregios
erhalten bleiben. Es müsste aber festgestellt werden, ob man wirklich jede Stunde eine Fernverbindung braucht."

Kurz vor Schluss kommt die 60-jährige Helga Koppelkamm im Auto angebraust. Sie ist absoluter Bahnfan und war geschockt, als sie
von den Bahnplänen erfuhr. Sie sagt: "Ich find es unverschämt, die Interregios zu streichen. Gerade, wenn ich zum Flughafen nach
Frankfurt oder Düsseldorf fahre, ist es wichtig, dass ich den Anschluss bekomme."

Robert Schu, (46) aus Piesport: "Die Aktion des Trierischen Volksfreunds ist sehr zu begrüßen. Ich hole einmal pro Woche meine
Tochter am Bahnhof ab. Sie geht in Prüm in der Eifel zur Schule. Das ist ja schon eine Katastrophe, wenn man da hinkommen will.
Die Verbindungen sind sowieso schon schlecht, da müssen dann nicht auch noch zusätzlich die Interregio-Züge gestrichen werden."

Erika Wiegel, (61) aus Nürnberg (Fotos: Anja Steffens) "Ich fahre sehr viel mit der Bahn und finde, dass es absolut am Bürger vorbei geplant ist, die
Interregio-Linien an der Mosel zu streichen. Es ist doch wichtig, dass Touristen weiterhin die Möglichkeit haben, unkompliziert, also ohne
Umsteigen, in die schöne Mosel-Eifel-Hunsrück-Region zu gelangen. Und gerade diese Strecke finde ich landschaftlich ganz besonders
reizvoll."

Kerstin Baller,(23): "Ich arbeite in Mainz als Krankenschwester und bin auf der Heimfahrt in Koblenz mal in einen Bummelzug
geraten. Das schluckt viel Zeit, da brauche ich eine halbe Stunde länger als mit Interregio oder Regionalexpress. Durch die
Streichung würde es noch weniger schnelle Züge geben. Außerdem ist es für ältere Menschen schwierig, wenn sie
ohne Interregios noch öfter umsteigen müssen."

Andreas Louca, (26) aus Wengerohr: "Generell finde ich es nicht gut, auf die Züge verzichten zu müssen, da es in jedem Fall
diejenigen, die darauf angewiesen sind, in ihrer Mobilität einschränkt. Daher unterstütze ich die Aktion des TV .
Andererseits kann ich beobachten, dass die Züge oft leer sind."

Reinhard Wick, (44) aus Föhren: "Ich finde, dass durch die Streichung der Interregio-Linien ein Stück Lebensqualität verloren
geht. Es ist wirklich traurig, dass die Region dadurch noch mehr als bisher schon an den Rand gedrängt wird. Ich kenne viele
Berufspendler, für die ist es am schlimmsten."

Micha Dokler, (55) aus Wengerohr, betreibt seit 20 Jahren das Bahnhofsrestaurant: "Prinzipiell finde ich die Protestaktion gut. Aber die
Leute, die protestieren sollen sich einmal hierher stellen und die Geisterzüge anschauen. Von keinem anderen Unternehmen würde man
verlangen, so was aufrecht zu erhalten. Zu manchen Zeiten, zum Beispiel nachmittags sitzen viele Leute in den Zügen, abends sind sie
oft leer."
 

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BAHN-PROTEST

"Deutliche Worte mit Klimmt gewechselt"
Ministerpräsident Beck bekräftigt Einsatz für Erhalt der Interregio-Linien – Grüne: Konkurrenz zulassen

TRIER. (mic) Die Landesregierung kämpft mit vollem Einsatz für den Erhalt der Interregio-Linien. Das bekräftigten
Ministerpräsident Kurt Beck und Regierungssprecher Walter Schumacher.

Er habe "sehr deutliche Worte mit Reinhard Klimmt gewechselt", sagte Beck am Rande des Festakts 125
Jahre Trierischer Volksfreund . Klimmt habe eine Überprüfung der Bahn-Pläne bis Anfang übernächster
Woche in Aussicht gestellt. Die Streichpläne nannte Beck eine "nicht zu akzeptierende Vorentscheidung".
Man wolle der Bahn Gelegenheit geben, diese wieder rückgängig zu machen.

Regierungssprecher Walter Schumacher wies unterdessen die Kritik des ehemaligen
rheinland-pfälzischen Ministerpäsidenten Carl-Ludwig Wagner zurück. Wagner hatte im TV auf die in seiner
Regierungszeit abgeschlossene Vereinbarung mit der Bahn hingewiesen, in der 1990 als Ausgleich für die
über den Westwald laufende ICE-Strecke Köln-Frankfurt die Zusage für den Interregio Luxemburg-Trier-Koblenz
gegeben wurde.

"Der Trumpf ist längst ausgespielt", sagte Schumacher: Schon unmittelbar nach Bekanntwerden der
Streichpläne habe Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage die Bahn schriftlich auf die Vereinbarung
hingewiesen. Eine Antwort, so Schumacher, liege aber noch nicht vor.

Es sei nicht hinzunehmen, dass die Bahn Interregio-Züge streiche, aber dann wegen der
Bestellung notwendiger Ersatzzüge Gewinne mache, kritisierte auch Elke Kiltz, verkehrspolitische Sprecherin
der Grünen-Landtagsfraktion. Sollten dennoch alle Appelle zum Erhalt der Linien erfolglos bleiben, müsse
die Landesregierung der Bahn klar machen, dass dann unverzüglich alle Schienenpersonennahverkehre in der
Region ausgeschrieben werden. "Ein Resultat könnte sein, dass private Konkurrenzunternehmen den
Zuschlag für den gesamten Personenverkehr an Saar und Mosel erhalten", so Elke Kiltz.

Die Protestaktion des Trierischen Volksfreunds läuft weiter: Bis gestern abend haben schon 10 041 Leser
unterschrieben. Insgesamt unterstützen dank einer Initiative der Handwerkskammer Trier damit über 40 000
Menschen den Protest gegen die Streichpläne der Deutschen Bahn-AG.

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BAHN-PROTEST

Auf dem Gipfel
Abgeordnete: Bahn, Bund und Länder an einen Tisch!

Von unserem Redakteur MICHAEL SCHMITZ

TRIER. Um 15.46 Uhr war es gestern soweit: die 10 000. Rote Karte für Bahnchef Mehdorn ging beim
Trierischen Volksfreund ein.

Die 10 000. war Anja Scheel aus Konz, die den Aufruf "Herr Mehdorn, wir lassen uns nicht aufs Abstellgleis
schieben!" auf einer der zahllosen Listen unterschrieben hatte, die auch gestern wieder aus dem Fax in der
Redaktion quollen. Zusammen mit der Initiative der Handwerkskammer Trier stehen nun schon über 40 000
Menschen hinter der TV -Initiative gegen die Interregio-Streichpläne. Und auch aus Reihen der
Politiker kommt starker Widerstand. Je nach politischer Couleur werden unterschiedliche Schuldige
ausgemacht. So schreibt etwa Franz Peter Basten, Vorsitzender der Trier-Saarburger CDU, die Regierungen
in Mainz und Berlin/Bonn hätten in den vergangenen Jahren wichtige Weichenstellungen für die Region Trier
verpasst. Dass er selbst als Abgeordneter im Bundestag für die CDU saß und Weichen hätte stellen
können, verschweigt Basten großzügig. Für ihn ist das Großherzogtum Luxemburg vorbildlich: Seit Jahren
kämpften die Luxemburger erfolgreich für den Anschluss an schnelle Fernverbindungen und seien
auch stets an einer schnellen Schienenverbindung an den Rhein über die Moselstrecke interessiert gewesen.
Die deutsche Seite habe immer "abweisend, allenfalls lustlos" reagiert, kritisiert Basten. Ulrike Höfken,
Bundestagsabgeordnete der Grünen, weist auf die 300 Millionen Mark an Verlusten hin, die die Bahn mit den
Interregios einfahre. Die Bahn dürfe diese Verluste nicht auf die Länder abschieben, könne sie aber auch nicht
alleine tragen. "Wir fordern daher, dass sich Bund, Länder und Bahn AG zu einem Bahngipfel treffen, um
dieses Problem zu lösen und eine Kostenverteilung zu vereinbaren. Vorstellbar wäre, dass Bund, Länder und
die Bahn jeweils ein Drittel, also 100 Millionen Mark, übernehmen", schreibt Höfken – und dürfte damit auf
Widerstand bei Landespolitikern stoßen.

Auch grenzüberschreitend wird die Protestaktion des TV mittlerweile aufgenommen. So will sich die
luxemburgische Eisenbahner-Gewerkschaft gemeinsam mit den deutschen Kollegen für bessere
Bahnverbindungen nach Luxemburg einsetzen.

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BAHN-PROTEST

40 000 unterstützen TV-Aktion
Handwerksbetriebe gegen Streichpläne

TRIER. (mic) Vom Studenten bis zum Professor, vom Rentner bis zum Handwerksmeister – die Region Trier
bestraft Bahnchef Mehdorn für seine Streichpläne mit der Roten Karte. 40 000 Menschen unterstützen
mittlerweile die TV-Aktion. Bis gestern hatten 9700 Leser den Protest-Aufruf des Trierischen Volksfreunds
unterzeichnet. Hinzu kommen nun drei Mal so viele Proteste von den Handwerkern der Region.
Stellvertretend für über 32 000 Handwerker in 3500 Betrieben haben die 54 Innungsobermeister
unterschrieben: "Wir lassen uns nicht aufs Abstellgleis schieben!" Hans-Hermann Kocks, Hauptgeschäftsführer
der Handwerkskammer Trier, sieht Verkehrsminister Reinhard Klimmt in der Pflicht: "Wir fordern den
Bundesverkehrsminister nachdrücklich auf, den Plänen der Bahn AG Einhalt zu bieten." In einer Region mit drei
Millionen Einwohnern – Trier, Koblenz, Luxemburg, dem Saarland und Lothringen – müsse es möglich sein, ein
leistungsfähiges Interregio-System aufrecht zu erhalten. Das Handwerk als größter Arbeitgeber der Region
befürchte massive wirtschaftliche Einschnitte, wenn die Bahn-Pläne realisiert würden.

Die TV -Aktion, die in dieser Woche an den Bahnhöfen der Region mit Unterschriften-Sammlungen fortgesetzt
wird, erfährt auch von den Lesern viel Unterstützung. "Das ist völlig unverständlich: Wir liegen im Herzen von
Europa und werden abgehängt", sagte gestern etwa Peter Schneider dem " TV unterwegs" am Trierer
Bahnhof. In Hunderten von Leserbriefen haben sich die Menschen in der Region ihren Ärger von der Seele
geschrieben, und das grenzüberschreitend: "Wollen Sie zurück in die Steinzeit des Dienstleistungsgewerbes?"
fragt etwa Monika Neumann aus dem luxemburgischen Echternach an die Adresse des Bahnchefs. "Reisende
weiter abzuschrecken, wird Sie nicht wesentlich weiterbringen."

Eine "miserable Verkehrspolitik" bescheinigt Hans-Wolfram Daig der Regierung. Die Ökosteuer
werde angehoben, damit mehr Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umstiegen. Deren Attraktivität würde
aber nicht gesteigert, "das Gegenteil ist der Fall." Die Streichpläne seien nicht ausreichend durchdacht, glaubt
Astrid Zuche aus Saarburg: "Die Saar-Mosel-Region ist auf den Tourismus angewiesen und damit auf eine gute
Bahnanbindung."

Die Protestaktion des TV gegen die Streichpläne läuft weiter. Angeschlossen hat sich auch die Initiative
Region Trier (IRT). Beim "Tag der Region" am Samstag in Trier sammelt die IRT an vier Ständen Unterschriften
unter dem Motto "Die Bahn streicht – wir lassen uns nicht abhängen!" Zudem lädt die IRT "alle maßgeblich
Beteiligten" zu einer Protestveranstaltung am 25. September in Wittlich ein. Zugesagt haben bereits die
kompletten Kreistage Wittlich und Trier-Saarburg, erklärte IRT-Geschäftsführer Walter Born.

Der TV ist weiter in der Region unterwegs. Unsere Redakteure sind am heutigen Freitag von 14 bis 17 Uhr
am Bahnhof in Wengerohr, um mit Bahnkunden zu diskutieren.

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PROTESTAKTION

Trumpf im Ärmel

Wagner: Land soll Verpflichtung einfordern

TRIER. (red) In die Diskussion um die Streichung von Fernverkehrszügen in der Region hat sich der
frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner eingeschaltet.

Ihn wundere, "dass die Landesregierung einen ganz entscheidenden Trumpf noch nicht gezogen hat", so
Wagner in einem Schreiben an den TV , "nämlich die im Jahr 1990 zwischen dem Bund und den Ländern
Rheinland-Pfalz und Hessen abgeschlossene Vereinbarung." Darin sei als Ausgleich für den Bau der
ICE-Strecke Köln-Frankfurt am rechtsrheinischen Ufer eine Interregio-Verbindung Luxemburg-Trier-Koblenz
festgeschrieben. Wagner: "Die Landesregierung ist aufgefordert, die Erfüllung dieser Verpflichtung
konsequent einzufordern." Die Protestation des TV gegen die Streichpläne läuft weiter; mehr als 9500
Unterschriften liegen vor. Heute sind TV -Redakteure von 14 bis 17 Uhr am Bahnhof in Gerolstein.

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PROTESTAKTION

Neuer Bahn-Ärger

Trans-Regio: Fahrkartenautomaten funktionieren nicht

TRIER. (red/l rs) Die Bahngesellschaft Trans-Regio GmbH aus Trier will wegen nicht funktionierender
Fahrkartenautomaten in ihren Zügen auf zwei Strecken in Rheinland-Pfalz rechtliche Schritte einleiten. Die
ADtranz AG als Lieferantin der Regio-Shuttles und die elgeba GmbH als Herstellerin der Automaten sollen in
Regress genommen werden. Seit Aufnahme der Strecken Andernach-Mayen-Kaisersesch und
Kaiserslautern-Kusel im Mai können die Fahrgäste die Automaten nicht benutzen. Die Gesellschaft der
Moselbahn GmbH in Trier (51 Prozent) und der Düsseldorfer Rheinbahn AG mit rund 60 Beschäftigten
hatte nach einer europaweiten Ausschreibung 1999 den Zuschlag erhalten. Unterdessen haben mehr als 9000
verärgerte Kunden Bahn-Chef Mehdorn die "Rote Karte" wegen der geplanten Interregio-Streichungen gezeigt.
Die Protestaktion des TV läuft weiter. Heute ist die Redaktion von 16 bis 18 Uhr am Hauptbahnhof in Trier.

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BAHN

Mit Reisestress zur Reha-Klinik

Mögliche Streichung der Interregios trifft Kur-Orte an der Mosel: Anreise im Regionalexpress würde
viele Patienten abschrecken

BERNKASTEL-KUES. (bl) Doch die Standorte in Bernkastel-Kues und Bad Bertrich drohen durch die
Streichpläne der Bahn geschwächt zu werden.

"Ohne die Interregio-Verbindung hätte ich mir überlegt, ob ich überhaupt nach Bernkastel-Kues gekommen
wäre", sagt Patient Dan Rosenthal. Hätte der Engelskirchener nicht bequem mit dem Interregio seine
Fahrt von Köln aus zum Reha-Zentrum Bernkastel-Kues aufnehmen können, sondern auf Regionalzüge
zurückgreifen müssen, hätte er sich ernste Gedanken gemacht. Alternativen im Bergischen Land oder in
Süd-Hessen wären für ihn nämlich ebenfalls in Betracht gekommen.

Dan Rosenthal ist einer von vielen Patienten, die jährlich die bislang noch akzeptablen Anbindungen des
Reha-Zentrums auf dem Kueser Plateau ans Bahn-Fernverkehrsnetz nutzen. Die neuesten Zahlen für
den Zeitraum Juli 1999 bis 30. Juni 2000 belegten, dass rund 20 Prozent der jährlich etwa 12 000 Patienten in
den fünf Kliniken auf der Schiene anreisen, sagt Verwaltungsdirektor Roland Schneider. Die mobilen
Patienten können bisher in Wittlich-Wengerohr aussteigen, um von dort mit dem Linienbus oder dem
eigens vom Zentrum in Auftrag gegebenen Taxidienst nach Kues zu kommen. Gleiches gilt für die fünf
Fachkliniken in Bad Bertrich, die eben- falls offensiv mit ihren Anbindungen ans Interregio-Netz werben.
Ausstieg für die Kurgäste ist in Bullay, von dort befördert ein Bus die Leute zu ihrem Ziel.

Ein Drittel der Patienten reist per Bahn und Bus an

Auf diesem Wege erreichten etwa 30 bis 35 Prozent der Patienten ihren Kuraufenthalt, rechnet Michael Krämer,
Marketingleiter bei der Kurverwaltung Bad Bertrich vor. Die Fachkliniken haben rund 700 Betten. Die Mehrzahl
der Patienten beider Zentren kommt aus
Nordrhein-Westfalen, vor allem aus dem Rheinland und Ruhrgebiet. Genau jene Gruppe also, die bislang
unkompliziert per Interregio, ohne umsteigen zu müssen, an die Mosel gelangen kann. Würde die
Deutsche Bahn AG ihre Planungen wahr machen und sich von den Interregio-Verbindungen auf der Mosel- und
Saarstrecke verabschieden, befürchtet Schneider Wettbewerbsnachteile. Seine Rechnung lautet: "Gute
Bahnanschlüsse bedeuten einen Standortvorteil, schlechte einen Nachteil". Denn die
Rentenversicherungsträger würden bei der Auswahl der Kur- und Behandlungsorte für ihre Versicherten darauf
achten, dass diese für jene Patienten, die selber anreisen können, auch gut mit der Bahn zu erreichen
sind. Aber bei einem Wegfall der Interregios "wären wir nicht mehr in vertretbarer Weise erreichbar". Denn
ersatzweise eingesetzte Regionalzüge bedeuteten Umsteigezwang zum Beispiel in Koblenz und längere
Wartezeiten am Bahnhof, so Schneider. Unter solchen Bedingungen hätte sich Monika Bienewald-Therbonßen
aus Leichlingen, wegen eines Bandscheibenvorfalls derzeit in Bernkastel-Kues in Behandlung, ein Taxi
genommen statt mit der Bahn von Köln aus zu kommen. Auch Patientin Maria Winter aus Köln hätte
sich bei einer weniger attraktiven Anbindung ihre Gedanken gemacht. "Ich würde mir das fünfmal
überlegen. Wenn ich in Kur fahre, möchte ich eigentlich keinen Stress bekommen." Sie ist auf den Zug
angewiesen, da sie kein Auto hat. Reimer Blank, Geschäftsführer der Meduna-Klinik in Bad Bertrich hält die
Streichung der Interregios für "eine mittlere Katastrophe." Er rechnet mit Einbußen bei den
Patientenzahlen. Die Rehabilitationszentren haben auch für die Orte, in denen sie beheimatet sind, geldwerte
Bedeutung. Verständlich, dass die Bürgermeister Dr. Helmut Gestrich (Bernkastel-Kues) und Albert Lumm
(Bad Bertrich) schwarze Wolken aufziehen sehen. Beide bestätigen, dass sowohl die Patienten als auch
Verwandte und Bekannte, die zu Besuch kommen, Wirtschaftskraft in ihre Städte tra- gen. Sie nutzten das
kulturelle An- gebot, die touristischen Sehenswürdigkeiten oder die heimische Gastronomie. Dr.
Helmut Gestrich und Hermann Lewen, Geschäftsführer der Kultur und Kur GmbH, bringen noch ein anderen
Aspekt ins Spiel. Viele Familien und Ehepaare besitzen nur ein Auto.

Unter der Streichung leidet auch der Reisekomfort

Würde der Kurpatient, sofern er körperlich dazu in der Lage ist, selber eine längere Anfahrt mit dem PKW
machen, könnte der Rest der Familie oder der Ehepartner zuhause zum Beispiel drei Wochen lang
nicht auf ein Auto zurückgreifen. Auch deshalb sei es wichtig, dass möglichst viele Patienten und ihre
Besucher mit der Bahn vernünftig anreisen könnten. Für Lewen haben die Streichpläne zudem negative
Auswirkungen auf den Reisekomfort. So seien die Interregios komfortabler als die Regionalzüge. "Und
wenn ein Patient per Bahn kommt, dann erwarte ich für ihn eine qualitativ guten Anreise." Und eben keinen
Stress, wie ihn sich auch Maria Winter, Monika Bienewald Therbonßen und Dan Rosenthal gerne
ersparen möchten.

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PROTESTAKTION

Bahn baut Netz aus – aber nicht in der Region

Bauckhage lobt Klimmt –  TV unterwegs: Heute am Bahnhof Saarburg

Berlin/Trier.(d pa/red) Zustimmung erntete Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt mit
seiner Ankündigung, in den Ausbau des Bahnnetzes zu investieren. Ob die Region Trier
vom Geldsegen etwas abbekommt, scheint zweifelhaft.

Klimmt rechnet mit insgesamt 2,5 Milliarden Mark aus den durch die UMTS-Auktion freiwerdenden Mitteln.
Rund zwei Milliarden Mark sollen die Sanierung der Bahn unterstützen, eine halbe Milliarde zur
Verbesserung des Straßennetzes verwendet werden. Damit werde es möglich, auch die im
Verkehrsinvestitionsprogramm 1999 bis 2002 vorgesehenen Projekte zu verwirklichen, die nicht als
absolut vorrangig eingestuft worden waren.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage begrüßte die Ankündigung des
Bundesverkehrsministeriums. Mit dem "Zukunftsprojekt Schiene" könnten Qualitätsdefizite im Personenverkehr
abgebaut werden, die auf den mangelhaften Zustand des Schienennetzes zurückzuführen seien. Die von
Klimmt angekündigten Mittel für Neubauten im Bahnnetz wertet Bauckhage als ein positives Signal –
vor allem die Zusage, weiter in die Schnellbahnverbindung Paris-Saarbrücken-Frankfurt zu
investieren.

Die Protestaktion des TV gegen die Pläne der Deutschen Bahn AG, die Region Trier vom
Fernverkehrsnetz abzuhängen, geht weiter. Mehr als 8200 Leser haben Bahnchef Mehdorn bis dato die "Rote
Karte” gezeigt. Weiter so! Die "Rollende Redaktion" des TV widmet sich in dieser Woche dem Thema Bahn. Am
heutigen Dienstag haben Leserinnen und Leser von 16 bis 18 Uhr Gelegenheit, vor dem Bahnhof in Saarburg
mit Redakteuren zu diskutieren. Die weiteren Termine: Mittwoch (16 bis 18 Uhr) am Hauptbahnhof Trier;
Donnerstag (14 bis 17 Uhr) am Bahnhof Gerolstein, Freitag (14 bis 17 Uhr) am Bahnhof Wengerohr.
 

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BAHN

Neue Klimm(t)züge

Bund: "Zukunftspaket Schiene" in Milliardenhöhe

MÜNCHEN. (red) Mit einem "Zukunftspaket Schiene" in Milliardenhöhe will die
Bundesregierung helfen, die Deutsche Bahn zu sanieren. Dabei geht es vor allem um Aus- und
Neubau von Strecken.

"Wir werden zusätzlich jährlich gut zwei Milliarden Mark in die Bahn investieren können", sagte Verkehrsminister
Klimmt (SPD). Zinsersparnisse durch die Erlöse der Versteigerung der UMTS- Lizenzen machten weitere
Investitionen in Schiene und Straße möglich. "Angesichts der Probleme müssen wir der Bahn einen
dicken Brocken zuwerfen, damit sie im Wettbewerb mit der Straße mehr Verkehr an sich ziehen kann." Neben
der Sanierung des maroden Bahnnetzes sollen die zusätzlichen Milliarden laut Klimmt in den Neu- und
Ausbau der Strecken von Berlin nach Frankfurt/Oder sowie die Verbindung München-Mühldorf- Freilassing,
die Oberrheinstrecke und den deutschen Abschnitt der Verbindung Paris-Saarbrücken-Mannheim-Frankfurt
fließen. Die von Streichungen bedrohten Interregio-Verbindungen in Rheinland-Pfalz soll der
Bund nach Ansicht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen retten. Die verkehrspolitische Sprecherin
der Fraktion, Elke Kiltz, forderte den Bund auf, die Mehrwertsteuer auf Fernverkehr-Fahrkarten und die
Gebühren für die Nutzung der Schienen zu senken.

In einem Gastkommentar für den TV wirft der Trierer Wirtschaftswissenschaftler Professor Hellmuth Milde
den Bahn-Verantwortlichen Klimmt und Mehdorn "peinliche Naivität" vor.

Der TV setzt die Protestaktion gegen Streichpläne der Bahn fort. In dieser Woche ist die Redaktion unterwegs
– am Dienstag (16 bis 18 Uhr) am Bahnhof in Saarburg, am Mittwoch (16 bis 18 Uhr) am Hauptbahnhof Trier, am
Donnerstag (14 bis 17 Uhr) am Bahnhof Gerolstein und am Freitag (14 bis 17 Uhr) am Bahnhof Wengerohr.
 

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VERKEHR

Eine unendliche Geschichte

Bereits seit den sechziger Jahren wird in der Region Trier eine Bahnverbindung nach der anderen gestrichen

Von unserem Redakteur PETER REINWALD

TRIER. Die Entwicklung der Bahn in der Region Trier seit den 60-er Jahren kommt einem
Trauerspiel gleich. Stets gingen damit Emotionen einher. Mit der geplanten Kappung der
Interregio-Verbindung erreichen es seinen Höhepunkt.

Noch nie hat sich die Bevölkerung des Trierer Lands in so großer Zahl und so deutlich gegen eine geplante
Verschlechterung des Verkehrsangebotes der Bahn gewehrt. Die Streckenstilllegungen früherer Tage waren
lediglich begleitet von kommunalpolitischen Protesten und Resolutionen, Einsprüchen von Industrie- und
Handelskammer –  von eben all jenen, die im obligatorischen Stilllegungsverfahren gehört werden
mussten. Gefruchtet hat dies alles nicht.

Es begann im Jahre 1963

Der Exodus der Schiene fing im Jahre 1963 an, als die Linie von Jünkerath zur belgischen Grenze nach
Losheim eingestellt wurde. Und weiter ging es mit der Angebotsumstellung –  so lautete der amtliche
Terminus für Einstellungen im Personenzugverkehr:

1965 – Pronsfeld-Bleialf-Ihren (Teilstück der Eifelquerbahn Andernach-St. Vith/Ostbelgien)

1966 – Pronsfeld-Waxweiler (Stichbahn durchs Prümtal)

1968 – Igel-Wintersdorf-Irrel (Sauertalbahn)

1969 – Irrel-Bitburg-Erdorf (Verbindung von der Sauer zur Eifelbahn)

1969 – Hermeskeil-Türkismühle (Verbindung vom Hochwald zur Nahestrecke)

1969 – Pronsfeld-Neuerburg/Eifel

1972 – Pronsfeld-Prüm (Teilstück der Eifelquerbahn)

1973 – Jünkerath-Hillesheim-Dümpelfeld (Verbindung von der Eifelstrecke zur Ahr)

1976 –  Simmern-Morbach-Hermeskeil (Hunsrückbahn, Teilstück einer Verbindung von der Saar, Dillingen, über
die Primstalbahn zum Rhein, Boppard. Das Rumpfstück Boppard-Emmelshausen wird heute noch befahren und
gilt als steilste nicht-zahnradgetriebene Strecke Deutschlands)

1980 – Gerolstein-Prüm (Teilstück der Eifelquerbahn)

1981 bis 1985 – abschnittsweise Stilllegung der Hochwaldbahn Trier-Hermeskeil, die zuletzt von
Waldrach bis Trier fuhr

1981 – Daun-Wittlich

1983 – Trierer Westtrasse

1985 – Wengerohr-Bernkastel-Kues

1988 – Wengerohr-Wittlich

1991 – Gerolstein-Daun-Mayen (Teilstück der Eifelquerbahn)

Nicht zu vergessen: Die nicht-bundeseigene Moselbahn gab den Personenverkehr auf der als "Saufbähnchen"
bekannten Strecke Trier-Bernkastel-Traben-Trarbach-Bullay ab 1991
abschnittsweise auf. 1968 fuhr der letzte Zug von Trier nach Neumagen-Dhron. Schließlich existierte noch eine
weitere "Privatbahn" von Philippsheim nach Binsfeld, die den Personenverkehr 1950 einstellte.

Die Region verfügte einmal über ein relativ dichtes Netz von Nebenbahnen. Sie wurden weg-rationalisiert und
damit gingen auch Tausende Arbeitsplätze verloren. Die Gründe reichen von abgelegenen Bahnhöfen über ein
Angebot, das nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung angepasst sei, bis hin zu unattraktiven Fahrzeiten.
Fairer Weise muss erwähnt werden, dass die Erschließungsfunktion der Bahn nach heutiger
Expertenmeinung 1880 erfüllt war. Alle später gebauten (Neben)-Strecken waren mehr oder minder politisch
motiviert.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bahn schon gewohnheitsmäßig der Region Trier die
kalte Schulter zeigt. Die attraktive Fernverbindung Saarbrücken-Trier-Dortmund, der "Westerländer", die
Nachtverbindungen nach München und Paris (Obermoselstrecke) – wo sind sie? Im Zuge der
Bahnreform wurde die Region mit untersten Angebotskategorie im Fernverkehr abgespeist. Und
selbst das soll nun gestrichen werden. Sinnvoll ist jedoch: Die Region braucht ein schnelles und qualitativ
hochwertiges Angebot in europäischer Dimension, die Achse Luxemburg-Trier-Frankfurt/Köln. Schließlich fährt
der TGV-Est spätestens 2006 bis Luxemburg. Es darf keine Qualitätsminderung Richtung Trier eintreten.

Quelle: Trierischer Volksfreund (Internet).