Editorial

KW 01/2002


  Quo vadis, Eifelbahn?
 

Herbst in der Eifel

Es sieht nicht rosig aus: Weitere Gleise in der Eifel werden verschwinden, so z.B. die Strecke Gerolstein - Pronsfeld, das Gleis nach Ochtendung der ehemaligen Strecke Koblenz - Mayen oder das verbliebene kurze Reststück der ehemaligen Strecke Wengerohr - Daun zwischen Wengerohr (Wittlich Hbf) - Wittlich.

Um die EBM-Züge nach Kaisersesch und Losheim ist es still geworden. In Bitburg fand am 28.12.2001 die letzte Bedienung durch die DB Cargo statt - am 02.01.2002 wurde der Güterverkehr in der Eifel von der EBM übernommen. Schafft der private Betreiber es, neue Kunden für die Bahn zu gewinnen, oder ist es ein letztes Zucken, der Anfang vom Ende? 

Die Fahrgastzahlen auf der inzwischen von der TransRegio betriebenen Strecke Andernach - Kaisersesch sind zwischen Mayen West und Kaisersesch nicht zufriedenstellend - vielleicht kommt auch hier nach Ende des dreijährigen Probebetriebes das Aus.
 

Das Geld liegt auf der Strasse

Geld scheint genügend vorhanden zu sein - z.B. für Radwege, die unsere Spass-Gesellschaft so dringend benötigt. Dabei wird aber übersehen, dass diese Radwege zusätzlichen Auto-Verkehr nach sich ziehen. Es sollte aber besser in Radwege investiert werden, die als Alternative zum Autoverkehr dienen!

Anstatt die Stadt Mechernich mit mehreren Bahnübergängen durch eine Unterführung zu entlasten, erhielt das Dörfchen Scheven eine neue Bahnunterführung, obwohl eine Bahnunterführung und ein Bahnübergang vorhanden sind.
Damit Euskirchens Autofahrer zweimal Abbiegen erspart wird, gönnt man sich auch hier eine neue, millionenschwere Unterführung. Dem Neubau wird sogar eine ganze Strassenzeile geopfert - und der Ablaufberg soll auch verschwinden.
 

Bahnbauten

Opfer des Wandels sind auch die vielen historischen Bahnbauten, die funktionslos geworden sind und von der DB Immobilien verschachert werden. Da kann man froh sein, wenn ein Bahnhofsgebäude einen neuen Besitzer gefunden hat, der sein Eigentum hegt und pflegt.

Güterschuppen oder Stellwerke z.B. haben da schon schlechtere Karten. Vom Zahn der Zeit zernagt sind sie dem Verfall preisgegeben und werden irgenwann abgerissen.
Um einige Beispiele zu nennen: Der Güterschuppen in Bonn ist inzwischen abgebrochen, in Zülpich ist das Stellwerk Zo teilweise zusammengefallen und auch Zf soll soll ein Opfer der Abrissbirne werden.
 

Was bleibt zu tun?

Politiker müssen - ebenso wie Reisende - mehr über die Bahn als Alternative zur Strasse nachdenken. Die Verantwortlichen bei der Bahn müssen sich mehr um ihre Kunden als um ihre Aktionäre kümmern, sie sollten neue Kunden gewinnen anstatt sie zu vergraulen. Denkmalschützer müssen dafür Sorge tragen, dass das eine oder andere Bauwerk als Zeugnis für die Nachwelt erhalten wird.
 


Peter Weber